Unsere Geschichte


         (Powerpointpräsentationen) Eine Zeitreise Teil 1 1870 - 1888
Eine Zeitreise Teil 2 1889 - 1973
Eine Zeitreise Teil 3 1974 - 2001

 

Privatkapelle eines reichen Hauses
An der Stelle, an der sich heute die Pfarrkanzlei unserer Kirche befindet, stand im 13. Jahrhundert das Haus der "Herren von Neuburg. Die Brüder Otto I. und Haymo, die um 1250 lebten, richteten sich, wie es damals zur Sitte reicher Leute gehörte, eine Hauskapelle im ersten Stock ihres Hauses ein. Solche Hauskapellen befanden sich üblicherweise im obersten Geschoss, da über dem Altar kein Wohnraum sein durfte. Da die Kapelle von vielen Gläubigen gern besucht wurde, entschloss sich Otto II., der Sohn Ottos I., um 1300 zu einer Vergrößerung und erreichte für das Gotteshaus eine gewisse Selbständigkeit. Die Gläubigen konnten nunmehr besondere Ablässe in der Kapelle erwerben, was den finanziellen Bestand des Gotteshauses sicherte.


Vorurteile und Prozesse
Einer seiner  Nachfolger war Jakob de Poll, der sich bei der Verschönerung der Kirche ebenso tatkräftig erwies wie bei der Führung von Prozessen, die er im Interesse des Gotteshauses sogar mit dem Schottenstift führte.

Bei einem seiner Prozesse wurde die gespannte Beziehung mit den Bewohnern des  benachbarten Ghettos deutlich. Poll verklagte den Besitzer des Nachbarhauses, der in den Urkunden "Morchel der Jude" genannt wird., weil dieser an Freitagen Gänse briet und der Küchenduft den an die Fastengebote gebundenen Pfarrherren zum Ärgernis wurde. Dieser Prozess zeigt den keimenden Hass der Wiener Christen, der sich schließlich 1421 in der sogenannten Wiener Geserah, der ersten Vernichtung der  Wiener Judenschaft, entlud. 210 Juden wurden damals verbrannt, die Überlebenden des Pogroms vertrieb man.

Ein positives Ziel, das Kaplan Jakob de Poll erreichte, war die Ausweitung der Kapelle. Am 26. Oktober 1360 genehmigte der Stadtrat, den Keller des Rathauses, den Gang und die Durchfahrt von der Salvatorgasse zur Wildwerkerstraße (heute Wipplingerstraße) für die notwendige Absenkung des Kirchenraumes auf Straßenniveau zur Verfügung zu stellen. Damit bekam die Kapelle einen ebenerdigen Zugang.

Um 1370 müssen auch die Wandmalereien entstanden sein, die bei der Restaurierung 1969/70 freigelegt wurden. Sie zeigen eine Ölbergszene. Kaplan Poll starb 1380 und soll im Chor der Kirche begraben worden sein.

In den Urkunden wird die Kapelle nun "Kirche im Ottenheim (eine Zusammenziehung der Erbauernamen Otto und Haymo) beim Bürgerrathaus" genannt.

Der Besuch des Gotteshauses wuchs ständig, was die Anbringung neuer Altäre notwendig machte. So entstanden schließlich drei Altäre: ein Liebfrauenaltar, ein Leonhard-, Jobst- und Dorotheaaltar, sowie ein Allerheiligen- und Zwölf-Boten-Altar.

Ein seltsamer Heiliger
Inzwischen hatte sich im Volksmund der Ausdruck St. Ottenheimkirche herausgebildet und die Frommen beteten – entsprechend der damaligen kritiklosen Heiligenverehrung – zu dem "neuen Heiligen Ottenheim". Kristallisationspunkt dieser Verehrung war eine verwitterte Marienstatue, die man für ein Bildnis des Ottenheim hielt, der jedoch nie existiert hat.

Darum wandte sich der damalige Kaplan Peter Hanifvogel an Rom. Papst Leo X. verbot durch eine Bulle vom 10. November 1515 die Verehrung eines "heiligen Ottenheims" als Ketzerei und veranlasste eine Neuweihe der Kapelle auf den Namen des Erlösers Jesus Christus. Seither trägt sie den Namen St. Salvator.        

Um 1520 datiert man die Erweiterung der Kapelle bis zur benachbarten Salvatorgasse. Lorenz Pfennig aus Dresden soll das zweite Kirchenschiff geschaffen haben, wobei er die Gotik des älteren Teiles imitierte. Die "Rippen" des Gewölbes besonders über dem heutigen Salvator-Altar sind jedoch lediglich Dekoration.

Pfennig dürfte Polier bei dem berühmten Dombaumeister des Stephansdomes Hans Puchspaum gewesen sein, welcher bekanntlich auch die "Spinnerin am Kreuz" errichtete. Das Masswerk am Sockel dieser Bildsäule ist identisch mit dem der drei großen Rundbogenfenster der Salvatorkirche gegen die Salvatorgasse.

Die Neuweihe gab Anlass zur Errichtung des Renaissance-Portals in der Salvatorgasse. Dieses Portal ist eine besondere Sehenswürdigkeit, da es zu den wenigen Baudenkmälern aus der Renaissance in Wien zählt.

 

Stürmische  Zeiten: Reformation und Gegenreformation
Die Wogen der Reformationszeit gingen an der Kirche nicht ganz spurlos vorbei.
Der gelehrte Arzt und Humanist Dr. Wolfgang Lazius (nach ihm ist der sog. "Lazenhof" benannt) erwähnt, dass in St. Salvator deutsch gepredigt werde. Dem Kaplan Balthasar Freyunger wurde vorgeworfen, dass er den Kelch an die Gläubigen austeile, und der 1559 verstorbene Siegmund Steinhauser wird auf dem in der Kirche befindlichen Grabmal "Pfarrer und Predikant" genannt, scheint also wie damals die Mehrzahl der Wiener Bevölkerung        evangelisch eingestellt gewesen zu sein.

Schließlich triumphierte allerdings die Gegenreformation. Seit 1630 ist bezeugt, dass evangelische Zuwanderer, die das Wiener Bürgerrecht erwerben wollten, zuerst in der Salvatorkirche ihrem Glauben abschwören und katholisch werden mussten.

1699 schloss die Gemeinde Wien mit der Cur von St. Stephan einen Vertrag und übergab ihr die seelsorgerliche Verwaltung der Salvatorkirche. Die Cur ist die Körperschaft der Seelsorgegeistlichkeit und darf nicht mit dem unabhängigen Domkapitel von St. Stephan verwechselt werden.

Erst 1778 übernahm die Stadtgemeinde wieder die Verwaltung der Kapelle. Dennoch blieb ein Naheverhältnis zum Stepphansdom bestehen.

Zu Ende des 17. und im 18. Jahrhundert erhielt die Salvatorkirche ihr heutiges Aussehen.

1677 spendete der Goldschmied Kehringer das Bild "Die Vermählung Mariens". Der Maler ist unbekannt. Ursprünglich gehörte dieses Bild zu einem dritten Altar, der sich zwischen den beiden heute noch bestehenden Altären befand.

Die heutigen Altäre stammen aus dem späten 18. Jahrhundert.

Das Bild des Hauptaltares wurde 1765 von Frau Maria Theresia Huber gespendet. Hier ist der Maler bekannt, es dürfte sich um Christian Schwarz handeln, der aus Dresden stammte und im 17. Jahrhundert in Wien tätig war.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden auch die Orgel und die Kanzel gebaut.
Das Bild des heutigen Nebenaltares zeigt Jesus Christus als Retter der Welt und wurde 1795 von Johann Maydinger gemalt.

 

Die Salvatorkirche wird altkatholisch
Das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes stieß auch in Wien auf Widerspruch. Der liberale Wiener Gemeinderat sandte bereits am 27. Mai 1871 eine        Sympathieadresse an Ignaz von Döllinger.

Am 3. Oktober 1871 befasste sich der Wiener Gemeinderat mit einem Antrag des Gemeinderates Johann Umlauft, dem eben gebildeten altkatholischen Aktionskomitee zu überlassen. Der Antrag erhielt die Mehrheit und der Bürgermeister Cajetan Felder wurde beauftragt, den Beschluss durchzuführen, aber dabei jegliche Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Das war allerdings nicht möglich. Bereits am 7. Oktober drohte der Wiener Erzbischof Joseph Othmar Rauscher, über die Kapelle das Interdikt zu verhängen, wenn sie den Altkatholiken überlassen wird.

Trotzdem bekannte sich der Gemeinderat mit großer Mehrheit zu seinem Beschluss. Am 15. Oktober betritt der römisch-katholische Kirchenrektor Georg  Ausim die fast leere Salvatorkapelle. Er feiert einen letzten stillen römisch-katholischen Gottesdienst. Danach konsumiert er die Hostie aus der Monstranz, der Mesner löscht das Ewige Licht, die leere Monstranz wird einem Magistratsrat übergeben.

Dann übergibt ein Magistratsdiener dem altkatholischen Pfarrer Alois Anton den Tabernakelschlüssel und die Messgewänder. Um Schlag elf Uhr feiern die Wiener Altkatholiken mit Alois Anton den ersten altkatholischen Gottesdienst – damals noch eine lateinische Messe mit vorhergehender Predigt.

Die Antwort des Erzbischofs ließ nicht lange auf sich warten. Drei Tage nach dem Gottesdienst wurde über die Kapelle das Interdikt verhängt. Damit war jedem römisch-katholischen Christen das Betreten der Kapelle bei Strafe der Exkommunikation verboten.

Erst 1969, in den Tagen der aufblühenden Ökumene, wandelte sich das Verhältnis der Altkatholiken zum Erzbistum Wien. In diesem Jahr hob Kardinal Franz König das Interdikt auf. Kardinal König war öfters in der St. Salvatorkirche zu Gast, so z.B. zu einem Gemeindetag 1989.

 

Die Kapelle erstrahlt im neuen Glanz
Einschneidende Veränderungen brachte für die St. Salvatorkirche der Zweite Weltkrieg mit sich. Bereits 1939 wurde das Renaissanceportal zum Schutz vor Luftangriffen mit Beton ummantelt – eine kluge Maßnahme, wie sich zeigte. Am 5.  November wurde das Nachbarhaus Salvatorgasse 3 durch einen Bombenvolltreffer zerstört. Auch die Salvatorkirche wurde schwer mitgenommen. 

Dach und Fenster waren zerstört und das Gewölbe des Hauptschiffes war so zerrüttet, dass es einzustürzen drohte. 1947 wurden die Schäden notdürftig behoben, 1950 begann die Gemeinde Wien mit einer gründlichen Renovierung, die im folgenden Jahr abgeschlossen wurde. Dabei erhielt die Kirche ein neues Relief. Es zeigt den heiligen Christophorus und war ein Hauszeichen eines der zerbombten Häuser in der Nachbarschaft.

Am 15 Oktober erhielt die St. Salvatorkirche eine neue Glocke, die in Erinnerung an  Bischof Adalbert Schindelar den Namen Adalbert erhielt. Glockenpatin war Kammerschauspielerin Paula Wessely, ein treues Glied der Gemeinde.

1972 bis 1973 erfolgte eine großzügige Renovierung der Kirche durch die Gemeinde Wien. Die Bauaufsicht führte das Bundesdenkmalamt.