Leo Walter Reichl

Leben und        Wirken eines altkatholischen Pfarrers und Kirchenmusikers Leo Walter Reichl wurde im Jahre 1909 in Mitterkirchen/OÖ. geboren. Erster Musiklehrer war in früher Jugend sein Onkel mütterlicherseits. Im Collegium Petrinum in Linz, das er zwei Jahre besuchte, nahm er im Alter von 12 Jahren das Studium der Komposition auf.

1928, nach Ablegung der Reifeprüfung am Gymnasium in Ried im Innkreis, trat Reichl in das Augustiner Chorherrenstift St. Florian ein und studierte Theologie. Musikalisch bildete sich Reichl in St. Florian vor allem an der Orgel weiter und wurde 1933 Stiftsorganist ("Brucknerorgel").

1934 übersiedelte Reichl nach Wien und inskribierte an der damaligen Staatsakademie für Musik und Darstellende Kunst, Schul- und Kirchenmusik (bis 1937 versah Reichl in den Sommermonaten weiter den Orgeldienst in der Stiftskirche St. Florian). Einer seiner Lehrer an der Staatsakademie in Wien war der bedeutende Komponist und Musiktheoretiker Dr. Josef Lechthaler.

Anfang 1938 beendete Reichl seine Studien an der Musikakademie, trat aus dem Orden zu St. Florian aus und wurde Musikprofessor an einem Wiener Gymnasium. Zu seinen Schülern zählte auch der spätere, langjährige Präsident des Synodalrates der Altkatholischen Kirche Österreichs, Dr. Franz Speierl. 1940 mußte Reichl zur Deutschen Wehrmacht und in den Krieg. Nach dem Krieg - Reichl hatte inzwischen geheiratet und eine Familie gegründet - lernte er den altkatholischen Pfarrer Konrad Schapasser kennen, der ihn für das altkatholische Priesteramt warb.

1946 begann Reichl mit der Komposition von kirchenmusikalischen Werken (liturgischen Gesängen, Choralliedern - im Geiste der Gregorianik!), die fast ausschließlich für den altkatholischen Kirchengebrauch bestimmt sind. Ferner komponierte Reichl eine Vielzahl von mehrstimmigen Chorwerken (Psalmvertonungen sowie Motetten), bei denen er sich zum Gutteil der Zwölftontechnik Josef Mathias Hauer’s bediente, die er sich durch Privatunterricht beim Genannten in den Jahren 1949 bis etwa 1953 aneignete.

Reichl selbst bezeichnete seine Psalmvertonungen, für die er weitgehend die Nachdichtungen von Bischof Dr. Stefan Török verwendete, als Chöre im neuen "Psalm-Melos". Die meisten dieser Chorwerke wurden vom Chor von St. Salvator, den Reichl bereits seit 1947 aufgebaut hatte, sowohl innerkirchlich als auch bei Gottesdienstübertragungen im Österreichischen Rundfunk (bis etwa 1968) aufgeführt.

Ab 1954 legte Reichl eine kompositorische Schöpfungspause ein, die überwiegend durch seine übervolle Auslastung in seinen Ämtern als Priester (Pfarrer der Kirchengemeinde Wien-Innen), Kirchenmusikreferent, Leiter des Chores von St. Salvator, musikalischer Gestalter der Rundfunkgottesdienste bedingt war. In diese Jahre fällt auch die Arbeit an dem Gemeindegesangbuch für die Altkatholische Kirche Österreichs - eine mühsame Auswählarbeit - und dem korrespondierenden Orgelbuch, welche beide 1962 erschienen.

Nach seiner Pensionierung mit 1. 1. 1970 nahm Reichl allmählich seine kompositorische Tätigkeit wieder auf und schuf in den Jahren 1972 bis zu seinem plötzlichen Ableben am 22. März 1979 eine Reihe von bedeutsamen Orgelwerken. Sie sind fast ausnahmslos in der Hauer’schen Zwölftontechnik komponiert. Die meisten dieser Werke sind der Organistin Gabriele Kramer-Webinger gewidmet, von der dieselben auch aus der Taufe gehoben worden sind.

Von den am Programm stehenden drei Orgelwerken gelangen heute zwei, und zwar das Choralvorspiel "Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus" und die "Passacaglia lyrica" zur Uraufführung; die Passacaglia ist überdies die letzte Komposition Leo Walter Reichls, datiert mit 10. 3. 1979 (Todestag: 22. 3. 1979).